platzhalter header Wissenswertes Sie sind hier: Aktuelles | Wissenswertes

Neuregelungen zur CGM in der Pflege

Die Stoffwechselselbstkontrolle beim Diabetes erfolgte in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich durch die Blutzuckerselbstmessung. In den letzten Jahren hat sich parallel dazu die Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) für Diabetiker in Insulintherapie etabliert. Auf diese Entwicklung hat vor kurzem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit einem aktuellen Beschluss reagiert, der den Bereich Pflege und Diabetes betrifft.

Die G-BA-Entscheidung vom Juni sieht eine Änderung der sog. Häuslichen Krankenpflege-Richtlinie (HKP-Richtlinie) vor: die Verordnungsfähigkeit der sog. kontinuierlichen interstitiellen Glukosemessung als Leistung der Behandlungspflege. Das heißt: Die Einweisung in den Umgang mit einem CGM-System kann jetzt auch das Pflegepersonal vornehmen (diese Aufgabe hatten bislang nur die Hersteller) und wird seit Juli 2020 auch von den Kassen bezahlt.

Mit Beschluss vom Juni 2016 hatte der G-BA bereits die Versorgung mit Real-­Time-Messgeräten zur CGM als Kassenleistung beschlossen. In der Leistung Nummer 11 („Blutzuckermessen“) der HKP-Richtlinie war die Versorgung mit CGM allerdings bis vor kurzem nicht explizit enthalten. Mit der aktuellen Ergänzung des Leistungsverzeichnisses durch die Glukosemessung bei Patienten mit intensivierter Insulintherapie sollen künftig im Rahmen der Behandlungspflege neben der bisherigen Blutzuckermessung auch CGM-Messverfahren angewendet werden können, heißt es in den tragenden Gründen zum Beschluss.

Der DDB, der G-BA und die CGM
Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) begrüßt diese Erweiterung der HKP-Richtlinie um die relativ neue Technik der CGM-Geräte. „Diese Messsysteme sind nun schon viele Jahre – u.a. durch das Einwirken des DDB im G-BA – verordnungsfähig“, betont die DDB-Bundesvorsitzende Sandra Schneller.

Obwohl die Bedienung von CGM-Systemen generell für die Patienten relativ einfach ist, treten dabei immer wieder Probleme auf, vor allem im Zusammenspiel mit besonderen Personengruppen (z. B. sehbehinderte Menschen, Kinder, älteren oder psychisch erkrankte Menschen) hinsichtlich der Applikation oder der Interpretation der Messwerte. „Hier kann jetzt z. B. der ambulante Pflegedienst mit zur Therapiesicherheit beitragen“, so Schneller.

Auch den DDB erreichen immer wieder Anfragen von Mitgliedern oder gesetzlichen Betreuern, die sich um die ausreichende Therapie der Diabetespatienten sorgen. „Nicht immer finden die regelmäßig notwendigen Kontrolluntersuchungen statt, Verordnungen werden limitiert oder nicht bewilligt. Bei einem Teil der Patienten stellt die eigenständige Ermittlung der Blutzuckerwerte und die Interpretation und der Ableitung der nächsten Handlungsschritte eine Hürde dar“, weiß die DDB-Bundesvorsitzende. Durch die moderne Technik der CGM-Geräte sei – die Zustimmung durch den Patienten vorausgesetzt – auch eine „Überwachung“ aus der Ferne möglich, so dass etwa bei einem Notfall relativ zeitnah reagiert werden könne, erläutert sie. „Für stationäre Pflegeeinrichtungen kann die CGM eine Entlastung bedeuten, da nicht ständig konventionell gemessen und dokumentiert werden muss“, erklärt Schneller. Insgesamt schreite die Entwicklung der Telemedizin in Deutschland zwar langsam voran, biete aber gute Chancen für die Therapiesicherheit und spare langfristig Kosten, etwa bei der meist langwierigen Behandlung diabetischer Folgeerkrankungen. Zudem könnten die vorliegenden Daten der Patienten, sofern sie diesem Schritt zustimmten, in eine künftige elektronische Patientenakte einfließen.

Bislang wurde die CGM-Schulung in der Behandlungspflege von Beauftragten der Hersteller übernommen. „Dies ist für die Mehrzahl der Anwender gut und sollte grundsätzlich so beibehalten werden“, sagt Sandra Schneller. Für die Behandlungspflege im ambulanten, teilstationären oder stationären Bereich bedeutet die CGM-Schulung vor allem eine intensive Schulung der Mitarbeiter. „Hier müssen die Kostenträger und die Träger der Einrichtungen dafür Sorge tragen, dass dies möglich ist und auch angemessen durch die Kostensätze refinanziert wird“, fordert die DDB-Bundesvorsitzende. „Die unterschiedlichen Systeme und Messwerte – mg/dl versus mmol/L, HbA1c in % oder neu in mmol/mol – bedürfen der richtigen Interpretation und bieten somit leider auch eine Fehlerquelle.“ Die Behandlungspflege mit CGM-Geräten müsste deshalb eine sog. Vorbehaltsaufgabe von examinieren Pflege-Fachkräften sein, die besonders geschult und jährlich fortgebildet werden, fordert Schneller.

Welche Patienten profitieren?
Die neue Leistung zur CGM in der Pflege ist für Patienten mit intensivierter Insulintherapie gedacht, die u. a. eine hochgradige Einschränkung der Sehfähigkeit, der Grob- und Feinmotorik oder der körperlichen bzw. geistigen Leistungsfähigkeit aufweisen und somit nicht in der Lage sind, die Messung selbst vorzunehmen, das Messergebnis abzulesen, den Sensor zu wechseln oder die Kalibrierung durchzuführen. Die Häufigkeit der Glukosemessung erfolgt nach dem ärztlichen Behandlungsplan und in Abhängigkeit der Medikamententherapie.

Weitere Infos gibt es unter www.g-ba.de.
Dieser Beitrag ist auch im Diabetes-Journal, Ausgabe 9/20, Kirchheim-Verlag erschienen (www.diabetes-online.de).

Quelle: DDB, 3. September 2020

Diabetiker Allianz und Bundesverband Niere e.V.: Organmangel in Deutschland weiter bekämpfen

Diabetiker Allianz und Bundesverband Niere e.V.: Organmangel in Deutschland weiter bekämpfen

Menschen mit Diabetes sind auch auf Organspenden angewiesen – gleichzeitig ist die Situation der Organspende in Deutschland durch den erheblichen Mangel an Spenderorganen geprägt. Darauf machen die Diabetiker Allianz (DA) – der Zusammenschluss der 4 großen Diabetes-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland – und der Bundesverband Niere (BN) e.V. gemeinsam im Nachgang des Tag der Organspende 2020 aufmerksam (www.organspendetag.de).

Rund 40.000 Diabetespatienten sind in Deutschland auf eine Dialysebehandlung angewiesen (1), somit fast die Hälfte aller Dialysepatienten (2). Die meisten Diabetiker an der Dialyse sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt und können in der Regel nicht transplantiert werden. Patienten mit Typ-1-Diabetes hingegen, die einen sehr schweren Verlauf haben und dadurch eine diabetesbedingte Nierenerkrankung entwickeln, bleibt als letzter Ausweg oft noch die Transplantation (Niere/Bauchspeicheldrüse). Rund 340.000 Menschen in Deutschland sind an Typ-1-Diabetes erkrankt – knapp 100 von ihnen werden jedes Jahr transplantiert. Die Transplantation einer Bauchspeicheldrüse (Pankreas) erfolgt in der Regel in Kombination mit einer Nierentransplantation desselben Spenders. Laut Jahresbericht 2019 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurden im vergangenen Jahr 95 Pankreastransplantationen vorgenommen (3). „Im Interesse vieler Betroffenen und ihrer Angehörigen fordern wir, dass administrative Hürden oder unzureichender Datenschutz die große Bereitschaft der Bürger zur Organspende nicht länger behindert“, erklärt der Co-Vorsitzende der Diabetiker Allianz, Dr. Klaus-D. Warz.

Bei der Diskussion um den Organmangel in Deutschland haben sich im wissenschaftlichen Diskurs in jüngster Zeit vor allem Probleme bei der Organentnahme in den Krankenhäusern gezeigt (4): Der Rückgang der postmortalen Organspenden ist vor allem auf ein Erkennungs- und Meldedefizit der Entnahmekrankenhäuser zurückzuführen. „Es muss endlich erreicht werden, dass die persönliche Willensäußerung der potenziellen Organspender in den Krankenhäusern rechtsverbindlich vorliegt. Damit wäre gegebenenfalls ein klarer Auftrag an die Intensivmedizin erteilt – zur Organentnahme oder zur Nichtentnahme von Organen. Das wäre in elektronischer Form schon jetzt z. B. auf der Krankenkassenkarte und später auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) möglich zu machen, und damit wären die Organentnahmen signifikant zu steigern“, so der Vorsitzende des Bundesverbandes Niere e.V., Peter Gilmer.
Der BN e.V. plädiert zudem gemeinsam mit mehreren Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (www.dgfn.eu) für die Abschaffung der sog. Mindestmengenregelung bei der Organtransplantation (5). Diese besagt, dass Transplantationszentren jährlich mindestens 25 Nieren- bzw. 20 Lebertransplantationen durchführen müssen – ansonsten droht ihnen die Schließung. Damit reduzieren sich die Transplantationszentren bundesweit vorerst um ein Drittel, und die Patienten müssen immer mehr zusätzliche Lasten auf sich nehmen. „Solche Maßnahmen dienen nicht den Patienten und ihrer Gesundheit, sondern sind alleine der besseren Finanzplanung von Organisationen geschuldet“, kritisiert Gilmer.

Organspende-Erklärung und Datenschutz
Klaus-D. Warz fordert hier: „Die sofortige Aussetzung der Mindestmengenregelung bei Organtransplantationen, die die Patienten überflüssig und zusätzlich belastet, und die datenschutzrechtlich sichere, elektronische Abspeicherung des persönlichen Willens zur Organspende und Transplantation, die beim Sterben in einer Klinik vorliegt, sind wichtige Schritte, die nun endlich gegangen werden müssen. Der Zugriff darauf sollte beschränkt und im Wallet des eigenen Smartphones hinterlegt sein. Auf dieser Basis kann der Wille des Organspenders zeitnah geprüft und umgesetzt werden. Der potenzielle Spender muss selbstverständlich und jederzeit seine Daten prüfen und seine Entscheidung ändern können. Das gehört zu den Grundrechten der Menschen in unserer Gesellschaft.“

Trotz der Corona-Pandemie konnten in Deutschland nach DSO-Angaben Organspenden als auch Transplantationen „fast uneingeschränkt stattfinden“ (6). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Organspender in den ersten 5 Monaten in 2020 um über 8 Prozent auf 410 Spender gestiegen, die Zahl der gespendeten Organe im Vergleichszeitraum von 1254 auf 1300. Etwa 9.000 Patienten stehen derzeit auf der Warteliste für eine Organspende.

Quellen. Diabetiker Allianz (DA), Bundesverband Niere (BN) e.V.
DDB, 26. Juni 2020

____________

Literatur:
(1) https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3977/2019-09-19_QSD-RL_IQTIG-Jahresbericht-2018-Datenanalysten.pdf
(2) https://www.dgfn.eu/pressemeldung/weltdiabetestag-2019-fast-die-haelfte-aller-dialysefaellegeht-auf-das-konto-von-diabetes.html
(3) https://www.dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202019.pdf
(4)
https://www.aerzteblatt.de/archiv/198873/Rueckgang-der-Organspenden-in-Deutschland
(5) https://www.dgfn.eu/pressemeldung/g-ba-haelt-trotz-fehlender-evidenz-an-mindestmengenim-bereich-der-transplantationsmedizin-fest.html
(6) https://www.dso.de/dso/presse/pressemitteilungen/Jens%20Spahn:%20%E2%80%9ER%C3%BCckenwind%20aus%20der%20Debatte%20um%20die%20Organspende%20nutzen.%22/55

 

Tag der Organspende am 6. Juni 2020: Diabetes-Früherkennung kann Nierenschäden und möglicherweise Transplantationen vermeiden

Tag der Organspende am 6. Juni 2020: Diabetes-Früherkennung kann Nierenschäden und möglicherweise Transplantationen vermeiden

Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für eine Niereninsuffizienz – über 40 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ 2 haben einen Nierenschaden. Einige von ihnen bräuchten eine neue Niere. Allerdings kommt für Betroffene häufig aufgrund bestehender Begleiterkrankungen eine Transplantation nicht in Frage. Für sie ist eine lebenslange Dialyse unumgänglich. Anlässlich des Tages der Organspende weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine Diabetes-Früherkennung dringend notwendig ist, um einerseits die zunehmende Zahl der transplantationsbedürftigen Diabetespatientinnen und -patienten in Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.

Mehr als 7.000 Patienten warten auf eine neue Niere

Über 7.000 Patienten stehen derzeit in Deutschland auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa die Hälfte von ihnen hat einen Diabetes oder Prädiabetes, der häufig nicht bekannt ist.„Insbesondere Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben meist bereits klassische Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankung, die jedoch eine Transplantation erschweren oder sogar die Erfolgsaussichten derart reduzieren, dass sie gar nicht erst als Empfänger in Frage kommen, beziehungsweise von der Warteliste genommen werden müssen“, berichtet Privatdozentin Dr. med. Martina Guthoff, Nephrologin und Oberärztin der Sektion Nieren- und Hochdruckkrankheiten an der Medizinischen Klinik IV in Tübingen. Diese Patienten bleiben dialysepflichtig – das heißt, sie müssen sich lebenslang mehrmals in der Woche einer Blutwäsche oder Bauchfelldialyse unterziehen und haben häufig eine geringere Lebenserwartung.

Einer amerikanischen Untersuchung zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für Diabetespatienten, auf eine Warteliste für eine Nierentransplantation zu kommen, nur rund 80 Prozent im Vergleich zu stoffwechselgesunden Menschen. Dass eine Transplantation tatsächlich erfolgt, liegt nochmals um knapp zehn Prozentpunkte darunter. Denn im Verlauf der durchschnittlich sechs bis acht Jahre andauernden Wartezeit summieren sich bei vielen Diabetespatienten Begleitkomplikationen auf, die einer erfolgreichen Transplantation im Wege stehen.

Auch haben Menschen, die mit einem vorliegenden Diabetes nierentransplantiert werden, ein geringeres Überleben sowie eine kürzere Lebensdauer der Niere als Patienten ohne Diabetes2: In einer Untersuchung war das Verlustrisiko einer Niere mit einem Diabetes doppelt so hoch wie ohne die Stoffwechselerkrankung.3 „Es scheinen mikro­ und makrovaskuläre Veränderungen durch die diabetische Stoffwechsellage nach einer Transplantation beschleunigt aufzutreten“, so Guthoff. Ein ähnliches Risiko gilt für Patienten, die nach der Transplantation einen Diabetes entwickeln.

Diabetes-Test auch bei Nierenpatienten

Die Expertin weist daher darauf hin, dass eine Früherkennung des Diabetes und auch von Nierenerkrankungen unbedingt notwendig sei, um Patienten vor schweren Nierenschäden zu bewahren und im Falle einer notwendigen Nierenersatztherapie eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. „Bei allen Nierenpatienten sollte zudem auch auf einen Diabetes getestet werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte auf der Warteliste zur Nierentransplantation einen bislang unerkannten Diabetes oder Prädiabetes hat“, führt Guthoff aus.

„Um eventuelle Nierenprobleme rechtzeitig zu diagnostizieren und konsequent behandeln zu können sollten sich Patientinnen und Patienten mit Diabetes mindestens einmal jährlich auf das Vorliegen von Eiweiß im Urin – die so genannte Albuminurie – screenen lassen“, erklärt Dr. med. Ludwig Merker vom MVZ DaVita Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen und Vorsitzender der DDG AG „Diabetes und Niere“. Zudem sei es bei allen Patienten mit Diabetes wichtig, den eGFR-Wert zu bestimmen, der die Filtrationseigenschaft der Niere darstellt. „Auch der Blutdruck ist regelmäßig zu überprüfen, da eine Erhöhung ein Hinweis auf einen beginnenden Nierenschaden sein kann.“

Gleichzeitig sollte eine zielorientierte Diabetes- und Blutdrucktherapie erfolgen, die für stabile Blutzuckerwerte und guten Blutdruck sorgt. Denn dauerhaft erhöhter Blutzucker und Blutdruck sind Hauptrisikofaktoren für eine Nierenschädigung. „Jeder Patient kann auch selbst etwas für eine gute Nierenfunktion beisteuern. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Diabetespatienten ihr Gewicht reduzieren, nicht rauchen und sich gesund ernähren“, rät Merker.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
DDB Bundesverband, 6. Juni 2020
Copyright Bildmotiv: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln)

Schulöffnungen: Kinder mit Diabetes können am Unterricht teilnehmen

Über 10 Millionen Schülerinnen und Schüler konnten in den vergangenen Wochen aufgrund der Corona-Pandemie nicht die Schulbank drücken. Nun wird in Deutschland vorsichtig der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Bundesweit gibt es jedoch einzelne Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche mit einem Diabetes mellitus davon vorerst ausnehmen. Sie beziehen sich dabei auf den Hinweis des Robert Koch-Instituts (RKI), dass Diabetespatienten zur Risikogruppe zählen.

Die Arbeitsgemeinschaft „Pädiatrische Diabetologie“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass laut aktuellem internationalen Forschungsstand Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes nicht häufiger oder schwerer an COVID-19 erkranken als andere Kinder. Sie fordert daher dazu auf, Betroffene nicht auszugrenzen und sie ebenso am Unterricht teilhaben zu lassen wie ihre stoffwechselgesunden Mitschülerinnen und -schüler.

In Deutschland sind rund 9000 Kinder und Jugendliche nachweislich am Coronavirus erkrankt. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt, da in diesem Alter die Erkrankung meist mild verläuft. Daher liegen bislang nur wenige Daten zum Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei Minderjährigen vor. Aus einer chinesischen Studie sowie mündlichen Berichten italienischer Diabetologinnen und Diabetologen gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass Kinder und Jugendliche mit einem Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Virusinfektion haben.

„Aus kinderdiabetologischer Sicht spricht also nichts dagegen, dass im Zuge der aktuell geplanten Schulöffnungen auch die hierzulande rund 30 000 Kinder und Jugendlichen mit Diabetes die Schule besuchen“, bilanziert DDG Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Neu aus Tübingen den aktuellen medizinischen Wissensstand. Er verweist auf die Stellungnahme der AG Pädiatrische Diabetologie (AGPD), die hierzu die aktuellsten Informationen zusammengetragen hat. Diese basiert auf einer Datensammlung der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) aus der bislang keine bedenklichen Zusammenhänge zwischen COVID-19 und Kindern mit Diabetes abgeleitet werden könnten.

Dennoch haben einige Bundesländer wie Thüringen beschlossen, Kinder mit Diabetes zunächst pauschal vom Präsenzunterricht auszuschließen und berufen sich dabei auf die allgemeinen Informationen des RKI, wonach Diabetespatienten zur Risikogruppe zählen. „Bisher kennen wir kein Kind mit Typ-1-Diabetes, das durch COVID-19 zu Schaden gekommen wäre. Unsere Erkenntnisse zum Infektionsverlauf bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes legen nahe, dass sie nicht gefährdeter sind als ihre Altersgenossen und daher ganz normal am Alltagsleben teilhaben können“, betont Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Sprecher der AG „Pädiatrische Diabetologie“ der DDG. Er kritisiert, dass die betroffenen Familien durch bürokratische Entscheidungen in einzelnen Regionen nun unnötig in Bedrängnis geraten, sich weiterhin um die Betreuung zu sorgen. Aus organisatorischer und psychosozialer Sicht sei es bedenklich, diese Kinder ohne objektive medizinische Gründe und nur aufgrund ihres Diabetes vom Unterricht fernzuhalten. „Dies käme einer Diskriminierung gleich“, ergänzt Kinder-Diabetologe Neu.

Infektionsschutz-Maßnahmen weiter einhalten

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Händehygiene, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Abstandsregelungen sollten natürlich eingehalten werden. Liegt eine COVID-19-Erkrankung vor, gelten die gleichen Empfehlungen für das Management des Diabetes wie bei anderen Virusinfekten der Atemwege. „Da im Zuge des Infektes ein erhöhter Insulinbedarf zu erwarten ist, sollten Erkrankte häufiger den Blutzucker messen beziehungsweise die Sensor-Glukosewerte kontrollieren“, empfiehlt Kapellen, Kinder-Diabetologe aus Leipzig. Bei erhöhten Blutzuckerwerten muss die Insulindosis angepasst werden. Betroffene sollten sich bei langanhaltend schlechten Blutzuckerwerten an ihren behandelnden Arzt wenden.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
DDB, 30. April 2020

Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom: Patienten können ärztliche Zweitmeinung zur empfohlenen Operation einholen

Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS)können sich vor einer Amputation an den unteren Extremitäten künftig eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen. Ein „qualifizierter Zweitmeiner“ überprüft dabei die medizinische Notwendigkeit des geplanten Eingriffs und berät zu konservativen und weniger invasiven Behandlungsmöglichkeiten. Das berichtet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer aktuellen Pressemitteilung.


Neben dem Beschluss der entsprechenden Ergänzung der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren Zudem beauftragte der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wissenschaftlich fundierte und unabhängige Gesundheitsinformationen zum Thema Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom zu erstellen und auf seiner Website zu veröffentlichen.


Entscheidungsfindung für oder gegen eine Amputation beim DFS
Bei Diabetespatienten kann es aufgrund von Schäden an den kleinen Blutgefäßen und Nerven der Füße zu einem Diabetischen Fußsyndrom kommen. Das DFS ist durch eine schlecht heilende Wunde am Fuß gekennzeichnet, die im höheren Stadium bis auf die Ebene der Knochen reichen kann. Eine Behandlungsstrategie ist die Amputation an der unteren Extremität bis unterhalb oder oberhalb der Knöchelregion. Zu den alternativen Vorgehensweisen gehören die chirurgische Reinigung der Wunde, die Druckentlastung, die Behandlung von Infektionen und die Durchblutungsförderung.
Gegenstand des neuen Zweitmeinungsverfahrens ist die ärztliche Empfehlung für eine Amputation an der unteren Extremität zur Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms. Es zielt darauf ab, eine informierte Entscheidungsfindung der Patienten bei der Auswahl weniger invasiver oder konservativen Behandlungsmöglichkeiten zu unterstützen und eine medizinisch nicht gebotene Amputation zu vermeiden.


Zweitmeinungsgebende Fachärzte
Die Genehmigung, Zweitmeinungsleistungen zu einer Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom abzurechnen, können Fachärzte folgender Fachrichtungen bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen:
- Innere Medizin und Angiologie
- Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
- Gefäßchirurgie
- Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
- Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
Fachärzte, die aufgrund ihrer besonderen Qualifikation und Unabhängigkeit für den jeweiligen Eingriff eine Genehmigung als Zweitmeinungsgeber erhalten, werden auf der Website des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter www.116117.de/zweitmeinung zu finden sein.
Der Beschluss wird nun dem Bundesgesundheitsministerium zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Er tritt nach Nichtbeanstandung durch das BMG und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Einholen einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung zu einer empfohlenen Operation
Gesetzlich krankenversicherte Patienten haben nach Paragraph 27b Sozialgesetzbuch (SGB) V einen Rechtsanspruch auf Einholung einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung. Der G-BA ist gesetzlich beauftragt zu konkretisieren, für welche planbaren Eingriffe der Anspruch auf eine Zweitmeinung besteht. Zudem sind vom G-BA in der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren indikationsspezifische Anforderungen an die Abgabe der Zweitmeinung sowie an die Erbringer einer Zweitmeinung festzulegen.
Bislang besteht ein vom G-BA geregelter Zweitmeinungsanspruch bei Operationen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln (Tonsillektomien, Tonsillotomien), bei Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) und arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk.

Quelle: www.g-ba.de
DDB-Bundesverband, 16. April 2020

Diabetespatienten mit COVID-19-Erkrankung: Aktuelle Handlungsempfehlungen der DDG

Zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Coronavirus SARS-CoV-2 zählen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für diese Betroffenen besteht im Falle einer Virusinfektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit akutem Lungen- oder Multiorganversagen.

Aufgrund der hohen Infektionsrate bei Diabetespatienten stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Ärzten praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei einer COVID-19-Erkrankung zur Verfügung. Insbesondere sei auf Wechselwirkungen zwischen antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie mögliche Komplikationen bei oralen Antidiabetika zu achten. Noch ist unklar, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen einem Diabetes und der COVID-19-Erkrankung gibt. Einzelne Arbeiten deuten beispielsweise auf eine mögliche Beziehung zwischen Coronavirus-Infektionen, ACE2-Expression und Glukosestoffwechsel hin. Klinische Studien hierzu stehen jedoch noch aus.
Um Menschen mit Diabetes während der Coronavirus-Pandemie bestmöglich zu versorgen, hat die DDG praktische Handlungsempfehlungen für das Diabetes-Management von Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung veröffentlicht. „Insbesondere in der Betreuung von Diabetespatienten mit häufigen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder Bluthochdruck kann eine effektive Diabetestherapie ausschlaggebend dafür sein, Komplikationen in Folge des Coronavirus zu umgehen“, betont DDG Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer.


Gute Blutzuckereinstellung – wichtig!
„Grundvoraussetzungen für Diabetespatienten sind zunächst eine gute Blutzuckereinstellung, eine Überwachung möglicher Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks“, bilanziert Kellerer die Handlungsempfehlungen. Insbesondere Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes, Menschen mit Typ-1-Diabetes und Patienten mit Komorbiditäten sollten bei einer COVID-19-Erkrankung hinsichtlich ihres Diabetes engmaschig betreut werden. „Hierzu bietet sich auch eine telefonische oder telemedizinische Versorgung per Videosprechstunde an“, so die ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart.


Bei einer intensivmedizinischen Betreuung von Menschen mit Diabetes ist insbesondere die medikamentöse Therapie individuell und flexibel anzupassen. Die Autorinnen und Autoren betonen die möglichen Wechselwirkungen von antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie eventuelle Nebenwirkungen oraler Antidiabetika. „Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufs bei COVID-19 ist anzuraten, eine eventuell vorbestehende orale Medikation durch eine Insulinbehandlung zu ersetzen“, rät Professor Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitautor der Handlungsempfehlung. Insulin gehe weniger mit Komplikationen wie Ketoazidose oder Laktatazidose einher und sei zudem besser mit antiviralen Medikamenten wie Hydroxychloroquin kombinierbar. „Die Überwachung der Blutglukosewerte ist mit einer Insulintherapie zudem wesentlich einfacher. Bei intensivmedizinischer Betreuung kann mit einem Insulinperfusor gearbeitet werden, der dem Patienten regelmäßig Insulin verabreicht.“ Bei Fieber sowie eingeschränkter Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen die DDG Experten, eine bestehende Therapie mit SGLT2-Inhibitoren oder Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes vorerst auszusetzen.


HbA1c: am besten unter 7,5 %!
Idealerweise sollte der Blutglukosewert von infizierten Diabetespatienten zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c unter 7,5 liegen. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten ist ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl beziehungsweise 7,8 bis 10 mmol/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht übersteigen.


Die Experten empfehlen zudem, alle COVID-19 erkrankte Personen hinsichtlich eines nicht -bekannten Diabetes zu untersuchen. „So können die behandelnden Ärzte ausschließen, dass es zu stoffwechselbedingten Komplikationen im Krankheitsverlauf kommt und rechtzeitig gegenlenken“, betont Kellerer. Unabhängig von einer Infektion mit dem Coronavirus empfiehlt die DDG ein Diabetes-Screening per HbA1c-Bestimmung bei allen klinischen, aber auch ambulanten Patienten über 50 Jahren. Denn den rund sieben Millionen diagnostizierten Diabetespatienten stehen etwa 1,3 Millionen Menschen gegenüber, die von ihrer Diabeteserkrankung noch nichts wissen.


Die „Praktischen Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung“ beziehen sich auf Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche gelten die Behandlungsstrategien und Dosisangaben, die in der DDG-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter“ festgelegt sind.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

DDB, Berlin, 7. April 2020

Diabetes und Corona-Virus: Aktuelle Informationen

Das Thema „Corona-Virus“ und wie man als Diabetespatient – ob mit Typ 1 oder Typ 2 – damit vernünftig umgehen soll, beschäftigt auch den Deutschen Diabetiker Bund (DDB) seit Wochen. Im Internet kursieren derzeit die wildesten Geschichten und jede Menge Fake News, die für viel Verunsicherung sorgen und die Sie am besten nicht an sich heran lassen sollten.

Der DDB nimmt das Thema sehr ernst und steht im ständigen Austausch mit Diabetesexperten und anderen Diabetesorganisationen,

Seriöse Informationen rund um die Corona-Pandemie und Diabetes, die von ausgewiesenen Fachjournalisten ständig aktualisiert und geprüft werden, finden Sie auf der Website unter www.diabetes-online.de (Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag).

Unter folgendem Link sind dort alle aktuellen Informationen zusammengefasst:

https://www.diabetes-online.de/a/covid-coronavirus-darauf-sollten-menschen-mit-diabetes-nun-achten-2139594

Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden und wünschen Ihnen in dieser anstrengenden Zeit alles Gute!

DDB, 20. März 2020

Corona-Virus: Aktuelle Infos und Handlungsempfehlungen für soziale und gemeinnützige Einrichtungen

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Corona-Virus und den daraus resultierenden Folgen für soziale und gemeinnützige Einrichtungen hält der Paritätische Gesamtverband auf seiner Website erste Informationen und Handlungshilfen zu häufig in diesem Kontext gestellten Fragestellungen bereit.

Sie können die Interseite auf der Homepage des Paritätischen Gesamtverbandes unter folgendem Link aufrufen, diese wird fortlaufend aktualisiert: https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/corona/

Quelle: Paritätischer Gesamtverband

DDB, Berlin, 19. März

 

Sie können die Interseite auf der Homepage des Paritätischen Gesamtverbandes unter folgendem Link aufrufen:https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/corona/

Quelle: Paritätischer Gesamtverband

DDB, Berlin, 19. März 2020

Gemeinsame Stellungnahme von DGI und DGIM zur Corona-Pandemie

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat sich nach eigenen Angaben und angesichts der aktuellen Entwicklungen bei der Corona-Pandemie dazu entschieden, den für April geplanten Internistenkongress in Wiesbaden abzusagen.

Zum Thema "Corona" gaben die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und die DGIM eine gemeinsame Stellungnahme heraus:

Leben retten – nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen

Die Infektionen mit SARS-CoV-2 und die COVID-19 Erkrankungen steigen aktuell in Deutschland rapide an. Die exponentielle Zunahme der Fälle wird bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in Deutschland bis Ende der Woche führen. Die Beobachtung einer bisher niedrigen Mortalität ist trügerisch, sie steigt erst im weiteren Verlauf der Ausbreitung an. Dieser Trend ist bereits jetzt sichtbar: Die Letalität („Tödlichkeit“) betrug bis zum 9. März 2020 noch 0 % und liegt aktuell bei 0,2 %. In den Kliniken lässt sich parallel eine rasch steigende Zahl von stationär oder intensivmedizinisch behandlungspflichtiger Patienten beobachten.

Unmittelbar handeln!
Um die weitere Ausbreitung zu bremsen, muss unmittelbar gehandelt werden, so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Länder wie Taiwan, Südkorea oder Hongkong haben gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist. Kommen diese zu einem zu späten Zeitpunkt - wie in Italien geschehen - sind diese Maßnahmen weit weniger wirksam.

Die überwiegend milden Verläufe bei jüngeren und gesunden Infizierten täuschen über die Bedrohung durch SARS-CoV-2 hinweg; ihnen steht eine dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen bei chronisch kranken, immunsupprimierten und älteren Menschen gegenüber. Es muss vermieden werden, dass Kontaktpersonen dieser besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen die Infektion an diese weitergeben. Eine der wichtigsten Gruppen hierbei sind Mitarbeiter in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und alle anderen Berufsgruppen, die vor allem kranke und ältere Mitmenschen betreuen.

In der letzten Woche sind mit der Absage von Großveranstaltungen und Schließung von Schulen und Kindertagesstätten bereits wichtige Schritte unternommen worden. Diese Maßnahmen reichen aber nicht aus. Die weitere Ausbreitung von COVID-19 kann nur durch noch deutlich weitergehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelingen: Hierzu zählt die völlige Schließung von gastronomischen Betrieben und nicht-systemrelevanten Arbeitsstätten. Wie in anderen Ländern sollten Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen unterbleiben. Die zwingende Notwendigkeit solcher Maßnahmen muss der Bevölkerung sehr deutlich und anschaulich vermittelt werden, damit sie entsprechend angenommen werden.

Den Anstieg der Fälle für die nächsten zwei Wochen lässt sich aktuell kaum mehr beeinflussen, aber rasche effektive Maßnahmen können immer noch die Höhe der anrollenden Welle von Infektionen deutlich verringern. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich und viele Anstrengungen werden nötig sein, um diese abzumildern. Bei nüchterner Betrachtung aller Alternativen wird dennoch nur die sofortige „Notbremsung“ des öffentlichen Lebens noch größere Schäden verhindern.

Quelle: www.dgim

Deutscher Diabetiker Bund (DDB), Berlin, 16. März 2020

Nicht alle Diabetespatienten „über einen Kamm scheren“! – 5 Diabetestypen bekannt

Nicht alle Diabetespatienten „über einen Kamm scheren“! –  5 Diabetestypen bekannt

Nicht jeder Typ-2-Diabetes ist in Ursache, Erscheinung und Ausprägung identisch. Bisher fehlten jedoch eine sinnvolle Klassifizierung und eine darauf angepasste Behandlung. In Klinik und Praxis führt das bisweilen zu einer Über- und Unterversorgung der Betroffenen. Forscher haben die Stoffwechselerkrankung nun in Subtypen unterteilt, was eine präzisere, individuelle Therapie und Prävention ermöglicht. Wie diese Ergebnisse in den Praxisalltag gelangen können und wo noch Forschungslücken zu schließen sind, berichten Experten bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) heute in Berlin.

Sie zeigten auch auf, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Fettleber und diabetische Nephro- und Neuropathie aufweisen und wie diabetesbedingte Komplikationen durch Präzisionsmedizin verzögert oder sogar verhindert werden können. Im Fokus der Veranstaltung standen zudem Erfahrungen aus 20 Jahren Disease-Management-Programm (DMP) und die Frage, ob die hausärztliche Versorgung einer drohenden Diabetes-Epidemie gewachsen ist.

Beim Diabetes nicht nur bis Zwei zählen – so könnte ein neues Motto in der diabetologischen Versorgung lauten. Denn sowohl eine schwedische als auch deutsche Untersuchung zeigten, dass eine Unterteilung des Typ 2¬-Diabetes in fünf Subtypen* sinnvoll ist. „Diese Erkenntnisse können die Diabetesbehandlung deutlich verbessern“, erklärte im Vorfeld der Pressekonferenz Prof- Dr. Andreas Fritsche, einer der Sprecher der Kommission „Epidemiologie und Versorgungsforschung“ der DDG. Denn jenseits der Differenzierung in Diabetes Typ 1 und 2 gebe es in der Regelversorgung derzeit noch keine Unterscheidung. „Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem bisherigen Kenntnisstand nicht wenige Patientinnen und Patienten mit Diabetes unter- bzw. übertherapiert werden.“ Dies könne sich nun ändern.
Die Ergebnisse der schwedischen Cluster-Analyse1 konnten in der Deutschen Diabetes-Studie2 bestätigt werden. In beiden Fällen untersuchten die Autorinnen und Autoren Typ 2-Patienten in Bezug auf ihren Krankheitsverlauf und ihre Risiken für diabetesbedingte Komplikationen und Begleiterkrankungen. Auffallend war, dass sich insbesondere hinsichtlich der diabetischen Nephropathie, der nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD) und der diabetischen Neuropathie unterschiedliche Risiken bei den Patienten abbildeten: „Betroffene mit dem Subtyp SIDD, die an einem ausgeprägten Insulinmangel leiden, entwickeln beispielsweise besonders häufig eine Retinopathie und Polyneuropathie. Sie brauchen als Erstlinientherapie wahrscheinlich Insulin und sind damit ganz anders zu behandeln als insulinresistente SIRD-Patienten“, so Fritsche. Bislang werden die Betroffenen jedoch routinemäßig zunächst mit oralen Antidiabetika versorgt. Die andere Hochrisikogruppe SIRD hingegen hat ein erhöhtes Risiko für eine Nephropathie und NAFLD.

Aus diesen unterschiedlichen Risiken ergeben sich auch neue Therapieansätze mit entsprechenden präventiven Maßnahmen. „Weiß man, welchem Subtyp ein Patient angehört, sollte man ihn deutlich effektiver therapieren können und damit Folgeerkrankungen vermeiden“, bilanzierte Fritsche. „Dazu ist wahrscheinlich eine routinemäßige Bestimmung der endogenen Insulinsekretion ausreichend, wofür man nur eine Blutabnahme im Nüchtern-Zustand benötigt“, erklärt Fritsche, Stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz-Zentrums München an der Universität Tübingen. Auch Patienten mit einem risikoärmeren, altersbedingten Diabetes wie dem MARD könnten von diesen Erkenntnissen profitieren. „Die Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Diabetespatienten von diesem Typ betroffen sind “, betonte er. Diese Gruppe kann möglicherweise weniger aggressiv behandelt werden, die Erkrankung darf aber trotzdem keinesfalls bagatellisiert werden.
„Bevor die Subtypen in die Diabetesversorgung aufgenommen werden, braucht es noch prospektive Studien, die differenzierte Therapiestrategien bei den unterschiedlichen Subgruppen prüfen“, fordert Prof. Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf, ebenfalls Sprecher der Kommission „Epidemiologie und Versorgungsforschung“. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier hat ebendiese Kommission Forschungslücken bei der Subtypisierung dargestellt, die es nun zu schließen gilt.3

*Die 5 Diabetestypen in der Übersicht:
• SAID (severe autoimmune diabetes): früher Krankheitsbeginn, niedriger Body-Mass-Index) BMI, Insulinmangel, GADA-positiv, schwierige metabolische Einstellung
• SIDD (severe insulin-defcient diabetes): GADA-negativ, sonst wie Gruppe 1
• SIRD (severe insulin-resistant diabetes): ausgeprägte Insulinresistenz, hoher BMI
• MOD (mild obesity-related diabetes): Adipositas ohne ausgeprägte Insulinresistenz
• MARD (mild age-related diabetes): höheres Alter, leichte Stoffwechselstörung

Literatur:
1 Ahlqvist E et al., Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables. Lancet Diabetes Endocrinol. 2018 May;6(5):361-369. doi: 10.1016/S2213-8587(18)30051-2. Epub 2018 Mar 5.

2 Zaharia OP et al.: Risk of diabetes-associated diseases in subgroups of patients with recent-onset diabetes: a 5-year follow-up study. The Lancet Diabetes & Endocrinology.

3 Differenzierung von Subgruppen in der Diabetologie – Positionspapier der Kommission Epidemiologie und Versorgungsforschung der DDG

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft

DDB, 11. März 2020
Copyright: DDB